Kirchen haben etwas Beruhigendes, Schützendes an sich. Sie laden den Reisenden ein, innezuhalten, sind Rastplatz für Leib und Seele. Mögen Sie auch in dieser Kirche etwas vom Frieden Gottes spüren, um dessentwillen sie gebaut wurde.
Der heutige Kirchenbau steht auf romanischen Grundmauern. Zepernick wurde zum ersten Mal 1289 urkundlich erwähnt.
Wer auch immer Zepernick gegründet haben mag, die ersten Siedler haben bereits um 1240 ein Gotteshaus mit Turm, Schiff und eingezogenem Chorraum an den Scheitelpunkt des Winkelangers gebaut und haben es der heiligen Anna, der Großmutter Jesu, geweiht.
Sie wollten einen Ort, der ihnen die innere Kraft gibt für ihre harte Arbeit, wo sie Gott für das Erreichte danken und für das Bevorstehende um Segen bitten konnten. Wo sie Taufen und Hochzeiten feiern und um ihre Toten trauern konnten. Das ist bis heute so geblieben. An diesem Ort wissen wir uns besonders im Vaterunser verbunden mit Menschen, die Jahrhunderte vor uns lebten und dasselbe Gebet gesprochen haben.
Die Kirche erzählt mit jedem Stein von der Geschichte des Ortes. In der Mitte des 15. Jahrhunderts, vielleicht, nachdem die Hussiten vor Bernau endgültig zurückgeschlagen waren, die sicherlich Zepernick und seine Kirche nicht ungeschoren ließen, wurde in das Kirchenschiff ein gotisches Rippengewölbe eingebaut. Die langen, schmalen, rundbogigen Fenster vermauerte man und brach zum Gewölbe passende größere spitzbogige Fensteröffnungen in das Feldsteinmauerwerk. Erst vor kurzem sind die Wappen an den Gewölbeschlusssteinen entdeckt worden. Haben sie etwas mit jener kriegerischen Zeit zu tun?
1466 wurde Zepernick Domdorf des Domstiftes in Berlin und blieb es bis zum 15. März 1849.
In jedem Jahrhundert haben die Zepernicker an ihrer Kirche gebaut, denn sie ist kein Museum, sondern gehört zum täglichen Leben.
1635 steckten flüchtende kaiserlich-sächsische Truppen die Kirche in Brand. Schon acht Jahre später bauten die Zepernicker den Turm wieder auf und versahen den Chorraum mit einer östlichen Apsis (Altarraum).
Als 1841-1843 die Berlin-Stettiner Eisenbahn gebaut wurde und Zepernick 1888 seinen ersten Bahnhof erhielt, konnte vom Erlös des Landverkaufs an die Eisenbahn der Turm seine heutige doppelspitzige Form erhalten. Der Chorraum wurde nördlich und südlich um zwei Querschiffe und so der gesamte Grundriss der Kirche zur Kreuzform erweitert. Das Kircheninnere musste neu gestaltet werden, um der in jenen Jahren wachsenden Einwohnerzahl zu genügen.
1996/1999 erfolgte die letzte größere Sanierung des Gebäudes. Die Kirche wurde besser beheizbar, die Orgel erweitert, Stühle wurden angeschafft.
Warum haben die Menschen sich so liebevoll um ihre Kirche gekümmert?
Zepernick hatte Kriege und Plünderungen zu erleiden, blieb nicht verschont von Krankheiten und Seuchen. In ihrer Kirche haben die Einwohner neue Kraft gesammelt. Dort fanden sie Hoffnung für die Zukunft.
Nehmen Sie sich Zeit, auf die Stimmen der Jahrhunderte zu hören. Vielleicht entdecken Sie ja für sich etwas Wichtiges.